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Auf den Spuren von Bum-Kun Cha PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Blumenthaler SV   
Montag, 08. Februar 2016

Der 17-jährige Karam Han spielt 8507 Kilometer fern der Heimat Fußball beim Blumenthaler SV (von Jens Pillnick)

„A legend“ – eine Legende sagt Karam Han, der für den Blumenthaler SV in der Fußball-Regionalliga Nord der A-Junioren spielt, wenn er auf Bum-Kun Cha angesprochen wird. Auf den ersten südkoreanischen Profi in der Fußball-Bundesliga, der zwischen 1978 und 1989 mit Eintracht Frankfurt und Bayer 04 Leverkusen den Uefa-Pokal gewann und in 308 Bundesliga-Spielen 98 Treffer erzielte. Der heute 62-Jährige, der Nationalspieler (127 Spiele/55 Tore) und später Nationaltrainer Südkoreas war, wird von Karam Han so wahrgenommen, wie es Deutsche mit Uwe Seeler oder Franz Beckenbauer tun.

Karam Kan ist der Legende Bum-Kun Cha irgendwie nahe. Er wandelt auf seinen Spuren. Denn wie Bum-Kun Cha hat der 17-jährige Karam Han den Sprung aus Asien nach Europa gewagt, aus der Nähe der Metropole und Hauptstadt Seoul ins 8507 Kilometer entfernte Bremen. Eine Bilderbuch-Karriere wie die von Bum-Kun Cha zeichnet sich zwar nicht ab, aber Karam Han kickt immerhin in Deutschlands zweithöchster Jugendklasse. Und überwintert mit dem mit Nachwuchskräften aus aller Welt gespickten Blumenthaler SV derzeit auf Platz vier.

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Karam Han zeigt auf seine Heimat. Der 17-Jährige ist aus Südkorea nach Bremen gekommen, um deutsch zu lernen. Aber er kommt nicht nur sprachlich, sondern auch fußballerisch voran. Mit dem Blumenthaler SV ist er in der A-Junioren-Regionalliga Nord Tabellenvierter.

Dabei tritt Karam Han nicht wie Bum-Kun Cha als Stürmer mit unwiderstehlichem Tordrang in Erscheinung, sondern in der Saison 2014/15 als Abräumer und Ballverteiler im Mittelfeld, derzeit vornehmlich als Linksverteidiger. Und als Sechser oder Teil der Abwehrkette hat er nicht die Legende Bum-Kun Cha zu seinem Vorbild auserkoren, sondern eben einen Mittelfeldmann. „Toni Kross“, sagt der 17-Jährige und kann sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen. Schmunzeln kann Karam Han auch beim Blick auf die Tabellensituation. Denn sie lässt dem Blumenthaler SV sogar noch die Möglichkeit, Aufstiegsplatz eins oder Relegationsrang zwei zu erreichen. „Mein Minimalziel“, sagt Karam Han über den zweiten Platz und träumt als Spieler des jüngeren Jahrgangs mit offenen Augen vom Bundesliga-Aufstieg der Nordbremer.

Der Fußballsport bestimmt nun zwar die Freizeit des jungen Mannes, der mit sechs weiteren südkoreanischen Kickern – darunter Mannschaftskamerad Malgeunsaem Kim – in einem Reihenhaus in Oberneuland wohnt und betreut wird, ist aber nicht der Beweggrund für den Aufenthalt in Deutschland. „Ich bin hier, um deutsch zu lernen. Das ist gut bei Bewerbungen in Südkorea“, erklärt Karam Han und denkt dabei beispielsweise an eine Tätigkeit als Dolmetscher. Und was Karam Han, der sich mit „ein bisschen englisch“ im Gepäck auf den Weg von Seoul nach Bremen gemacht hat, kann, das kann sich sehen – besser gesagt hören – lassen.

Karam Han war im März 2013 nach Deutschland gekommen, direkt nach Bremen, direkt in die organisierte „Herberge“ in Oberneuland, in der er sich mit zwei C-Junioren-Fußballern, die beim FC Oberneuland spielen, ein Zimmer im zweiten Stock teilt. Zunächst schlummerte sein Talent in der zweiten B-Jugend des FC Oberneuland, in der zweiten Halbserie seiner ersten Saison in Deutschland lief Karam Han aber bereits in der B-Junioren-Regionalliga auf. Das zweite B-Junioren-Jahr absolvierte er beim Blumenthaler SV in der Regionalliga und schaffte als jüngerer Jahrgang umgehend den Sprung in der Stammelf der A-Junioren.

„Ein Teamplayer, der variabel einsetzbar ist“, beschreibt Marcel Kulesha den 17-Jährigen, der in seinen Planungen eine „große Rolle“ spielt. Natürlich auch, weil er schon über die laufende Saison hinaus zugesagt hat und das Angebot an bärenstarken Sechsern sich dann reduzieren könnte. Kulesha: „Vielleicht spielt er nächstes Jahr im Zentrum.“ Der BSV-Coach ist sicher, dass auch dort auf ihn Verlass wäre, denn schließlich ist Karam Han genau so, wie man Südkoreaner kennt: „Er ist diszipliniert, aufgeschlossen, verpasst kein Training und ist immer der Erste und der Letzte auf dem Trainingsplatz.“

Karam Han möchte aber noch mehr als die Weiterentwicklung als Fußballer (Han: „Meine Technik ist gut, aber ich bin nicht schnell genug“) und die neu erlernte Sprache zu einem noch nicht fest stehenden Termin mit zurück nach Asien nehmen. Zum Beispiel den Realschulabschluss, für den er auf der Berufsfachschule für das Nahrungsgewerbe büffelt. „Ich möchte noch etwas erreichen – und dann nach Hause“, sagt der junge Mann, der die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, zu gleichen Anteilen auf seine Eltern und sich verteilt. Eine schwere Entscheidung, denn zuvor hatte er Südkorea noch nie verlassen. Den Kontakt zu seinen Eltern und seinem Bruder, die laut Karam Han in einem für Südkorea typischen Appartement leben, hält er per Internet. Zwei- bis dreimal in der Woche wird geskypt. Zweimal hat er seine Familie und seine Freundin allerdings auch besuchen können: In den Sommerferien 2014 und 2015 flog er für sechs Wochen in die Heimat.

Wenn für den 1,75 Meter großen und 67 Kilogramm schweren Rechtsfuß („Mit links kann ich auch ganz gut“) der Bremer Alltag herrscht, dann nehmen Schule und das zeitaufwendige Training – mit dem Bus (Linie 31), der Straßenbahn (Linie 4) und der Nordwestbahn nach Blumenthal – sowie die Punktspiele einen großen Raum ein. Bleibt Zeit, dann ist Karam Han gerne Zaungast bei Werders Bundesliga-Jugend-Teams, hört Musik, guckt Filme oder fährt in die Innenstadt. Und wenn es kulinarisch betrachtet mal etwas anderes sein darf als die Asiatische Küche, lässt sich der junge Mann schon mal etwas typisch deutsches schmecken – eine Bratwurst.

Dass Südkorea gute Fußballer hervorbringt, das hat nicht nur die Legende Bum-Kun Cha bewiesen. Bei der WM 2002 wurden die Asiaten Vierter, seit 1986 sind sie durchweg Endrundenteilnehmer. Südkoreaner tauchen immer wieder in den europäischen Top-Ligen auf. Trainiert wird die Nationalmannschaft derzeit übrigens vom Deutschen Uli Stielike. Wenn Karam Han in die Heimat zurückkehrt, will er aber nicht nur sein Rüstzeug für die berufliche Karriere herausgeputzt haben. Er will natürlich auch weiter Fußball spielen. Die erste südkoreanische Liga schätzt Karam Han leistungsmäßig besser als die 3. Liga in Deutschland ein. Als persönliches Ziel in der Heimat gibt er „vielleicht die 2. Liga“ aus. Ein Ziel, dem der junge Südkoreaner mit jedem Einsatz in der A-Junioren-Regionalliga für den Blumenthaler SV einen Schritt näherkommt.

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 03. April 2016 )
 
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