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Bremens Schiedsrichter Nr. 1 ist ein echter Blumenthaler Junge PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Blumenthaler SV   
Donnerstag, 31. Dezember 2015

Sven Jablonski hat mit 13 Jahren als Fußball-Schiedsrichter begonnen und ist auf dem Sprung in die Bundesliga (von Katharina Elsner)

Sven Jablonski ist froh, wenn niemand merkt, dass er überhaupt da war, wenn er kein Gesprächsthema war. Obwohl er selbst viel spricht – und kaum zu übersehen ist. Vor allem auf dem Spielfeld. Dort steht er regelmäßig, 1,90 Meter groß, einer der jüngsten Schiedsrichter der bisherigen Bundesliga-Geschichte. Sven Jablonski ist 25 Jahre alt, und seit 2014 pfeift er Spiele der zweiten Bundesliga.

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Sven Jablonski spielte in der Jugend beim Blumenthaler SV Fußball. Nun pfeift er Spiele der 2. Bundesliga und ist auf dem Sprung ins Oberhaus des deutschen Fußballs.

Doch Sven Jablonski nimmt sich selbst nicht zu wichtig, wirkt bescheiden, will nicht unbedingt ein Richter sein, will das Spiel lieber leiten, Teil des Spiels sein. „Das schönste Kompliment ist, wenn nach dem Spiel jemand fragt, ob überhaupt ein Schiedsrichter auf dem Platz war”, sagt er. Wenn Sven Jablonski etwas tut, dann richtig. Während er redet, und er redet viel, trinkt er auch viel. Zwei große Flaschen Wasser in einer guten Stunde bestellt er während des Gesprächs in dem Restaurant an der Schlachte. Er strahlt Vertrauen aus. Das sollte er auch, als Bankkaufmann. Sein Äußeres spiegelt seinen Beruf wider. So tritt er in einem dun- kelgrauen Anzug auf, darunter ein weißes Hemd, die kurzen Haare sind steil nach oben gegelt.
So wie er seine Haare zurechtmacht, verläuft auch seine Karriere: steil nach oben. Der 25-Jährige zählt zur Elite, er ist einer der 150 Schiedsrichter des DFB, die in den ersten drei Ligen arbeiten. 13 Spiele hat er in der zweiten Liga bereits gepfif- fen, in der ersten bei 17 assistiert. Während andere Anfang-20-Jährige Phasen der Selbstfindung erleben, erträgt er Pfeifkonzerte von den Tribünen, pöbelnde Spieler, brüllende Trainer an der Seitenlinie und diverse Kameras am Spielfeldrand – als Schiedsrichter lebt er mit Anfeindungen. Aber Sven Jablonski winkt ab. „Oft ist das nicht gegen mich persönlich gemeint, sondern aus der Emotion heraus entstanden”, sagt er.

Er hat früh gelernt, mit den Emotionen umzugehen. Mit 13 hat alles begonnen, er entschied sich für die Schiedsrichterei und gegen den Fußball beim Blumenthaler SV. Jablonski stammt aus Bremen-Nord. Es ist der kleinste Fußballkreis in Deutschland. Nun, ein Jahrzehnt später, ist Jablonski groß – und hat seine Philo- sophie des Schiedsrichtens gefunden. „Wichtig ist, dass man authentisch ist. Ich versuche, mit den Spielern zu kommunizieren.” Jablonski spricht viel. Natürlich, auch andere Schiedsrichter sprechen mit Spielern. Das allein ist noch nicht charakteristisch für einen Schiedsrichter.
Einiges hat er von seinem Mentor gelernt, Peter Gagelmann. Und was? „Die Gelassenheit, zum Beispiel. Auch vor Top-Spielen hat er schon eine Ruhe ausgestrahlt, das hat sich auch auf mich als Assistenten übertragen”, sagt Jablonski über ihn. Einiges hat er aber nicht übernommen. Auch Gagelmann stammt aus Bremen, aus Sebaldsbrück, pflegte aber manchmal einen anderen Umgangston. „Verpiss dich” soll der Ex-Schiedsrichter zu einem Augsburger Spieler in einer Partie gegen den FC Bayern München gesagt haben. Spiele des FC Augsburg durfte er danach nicht mehr pfeifen. Erfahrung hatte Gagelmann also auf jeden Fall. Mehr als 200 Bundesliga-Spiele hat er gepfiffen, manche schön, bei manchen wurde er mit Buh-Rufen aus dem Stadion begleitet. Sven Jablonski durfte bei mehr als ein Dut- zend Spielen von ihm lernen. Nun geht er seinen eigenen Weg, hat einen eigenen Umgang mit Spielern gefunden.

Das wiederum freut Peter Gagelmann, der das Höchstalter für Schiedsrichter im bezahlten Fußball dieses Jahr erreicht hat und seine Schiedsrichter-Karriere be- enden musste. Der 47-Jährige findet nur positive Worte für seinen Zögling, hält ihn für „einen ausgezeichneten, talentierten Schiedsrichter”. Schließlich habe es seinen Grund, dass er schon so jung in der zweiten Bundesliga pfeife. „Er ist sehr weit für sein Alter”, sagt Gagelmann noch über ihn – und das stimmt wohl. Jüngst hat er ein Eigenheim gekauft, arbeitet demnächst in Teilzeit bei der Bank – welcher 25-Jährige kann sich das schon leisten? Aber Jablonski ist bescheiden. Alles funktioniere nur, weil er Unterstützung bekomme: „Ohne die tolle Rückendeckung von meiner Familie, meinen Arbeitskollegen und von meinem Arbeitgeber wäre das nicht möglich. Diese Unterstützung ist wichtig, dafür bin ich sehr dankbar.” Alle sind also flexibel, alle sind verständnisvoll und hilfsbereit, Familie und Freundin – auch, wenn es darum geht, seine Trikots zu waschen. Trotzdem: Seinen Verpflichtungen zu Hause muss er nachkommen. Er lacht – aber der Druck ist da. Nicht nur privat.
Jablonski muss sich zurückhalten, er ist vorsichtig, in dem was und wie er etwas sagt, will nicht im medialen Mittelpunkt stehen. Er weiß, er ist eine Person des öffentlichen Lebens. „Es ist wichtig, sich auch außerhalb des Platzes anständig und professionell zu verhalten. Heutzutage ist ein Foto oder ein Video schnell mit dem Handy gemacht”, sagt er. Dann steht er, wie andere Unparteiische, auf dem Platz unter Druck, immer als Zielscheibe zwischen zwei Vereinen, immer zwischen zwei großen Wirtschaftsunternehmen. Es geht um Millionen: um Profite, Arbeitsplätze, Image, um Ab- und Aufstieg. Der Unparteiische Manuel Gräfe verhinderte zum Beispiel mit seinem strittigen Freistoß-Pfiff den Aufstieg des Karlsruher SC, und den Abstieg des ewigen Erstligisten HSV. Wüst wurde er dafür in den sozialen Netzwerken beschimpft.

Entscheidungen treffen die Schiedsrichter in Bruchteilen von Sekunden. Alles ist professionalisiert. Die Schiedsrichterei aber bleibt letztlich ein Ehrenamt, ausgeführt von ausgebildeten Amateuren – wenn auch mit hoher Bezahlung. Jablonski bekommt als Schiedsrichter der zweiten Bundesliga 15 000 Euro Grundgehalt. Zusätzlich wird für jedes Spiel eine Aufwandsentschädigung von 2000 Euro be- zahlt, außerdem Fahrtkosten. Braucht es nicht einen Hauptberuflichen, einen, der nur das Spiel im Fokus hat und nicht am nächsten Tag wieder im Büro sitzen muss? Die Diskussionen um Vollzeit-Schiedsrichter sind nicht neu. Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Urs Meier plädiert immer wieder dafür, das Amt zu professio- nalisieren. Will Jablonski jemand sein, der hauptberuflich nur noch pfeift? Wahr- scheinlich nicht. „Ich habe diesen Doppelpass, ich bin unabhängig. Und ich profi- tiere von meiner beruflichen Erfahrung für die Schiedsrichterei – und umgekehrt genauso”, sagt er.

Stress- und Konfliktsituationen lösen, mit mindestens 22 unterschiedlichen Charakteren agieren, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, so würde wohl eine Stellenausschreibung für diesen Job aussähen.
Jablonski erfüllt ihn, obwohl oder gerade weil er so jung ist. Er hat selbst Fußball gespielt, kennt die Sprache auf dem Platz, manchmal ist die ein wenig ruppiger. An Respekt ihm gegenüber mangelt es aber nicht. „Ich kann mich gut in die Spieler hineinversetzen, weil ich selber jahrelang Fußball gespielt habe“, sagt er. Er ist so alt wie die Spieler, hat die gleiche Sprache. Außerdem tue seine Körpergröße den Rest, 1,90 Meter zeigten ihre Wirkung. Ob Gräfe oder Gagelmann – beide standen medial in der Kritik, bei Jablonski lässt das auf sich warten. Vielleicht liegt das an seiner noch jungen Karriere, vielleicht aber auch an seiner Einstellung. Er nimmt sich selbst nicht so wichtig. „Ich habe bestimmte Werte, die ich auf dem Platz – und privat – lebe, ich begegne Menschen mit Respekt, wertschätzend und immer auf Augenhöhe”, sagt er. Große Probleme hatte er jedenfalls noch nicht auf dem Platz.

Er mag Espresso, trinkt zwei zu den großen Flaschen Wasser, ansonsten verbindet ihn wohl kaum etwas mit dem italienischen Temperament. Hitzköpfig wird er auf dem Spielfeld selten, auch wenn um ihn herum ein Pfeifkonzert tönt. „Wenn das Spiel Fahrt aufnimmt, muss man als Schiedsrichter einen kühlen Kopf bewahren, damit man sich nicht anstecken lässt. Manchmal ist das nicht leicht. Aber mit der Anzahl der Spiele wird das besser”, findet er. Schließlich ist Sven Jablonski noch jung und lernt viel. Zum Beispiel bei den regelmäßigen Lehrgängen oder den Trai- ningslagern für Schiedsrichter.
Im Januar fliegt er eine Woche mit anderen Liga-Schiedsrichtern nach Mallorca, zum Beginn der Rückrunde. Allerdings weit weg vom Ballermann, weit weg von der medialen Öffentlichkeit. Hoffentlich unbeachtet.

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 12. Januar 2016 )
 
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